Der Gratweg am Tegelberg - eine königliche Wanderung über Pöllathschlucht, Schloss Neuschwanstein und Marienbrücke

Es gibt viele eindrucksvolle Bergtouren auf Gipfel der unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade mit weitreichender Aussicht ... aber der Gratweg am Tegelberg dürfte wohl einzigartig sein.

Und dieser Weg führt mit immer neuem Ausblick, der den bergan strebenden Schritt zum Halten und Schauen zwingt, zuerst unterhalb und dann, immer mehr an Höhe gewinnend, überhalb des weltberühmten Königsschlosses Neuschwanstein entlang des Westgrates zum Tegelberg.

Unser Ausgangspunkt dieser wohl einzigartigen "Königsetappe" ist an diesem klaren Junimorgen die wildromantische Pöllatschlucht, durch die ein kühn an der jäh abfallenden Felschlucht befestigter, sicherer Steig bis zu Schloß Neuschwanstein führt.

Über die schwindelerregende Marienbrücke mit unvergleichlichem Schloßblick verlassen wir die Welt der Touristen, hier beginnt jetzt unser Gratweg!

Der Gratweg zum Tegelberg
Unser Weg führt mäßig steigend durch schönen Mischwald bergauf. Der Säuling, Füssens Hausberg, grüßt von der anderen Talseite mit letzten Schneeresten des langen Winters herab, und der Alpsee zu Füßen der Königsschlösser scheint ein funkelnder Edelstein. Der Blick geht ungewohnt, fast schon aus Vogelperspektive, hinab auf Schloß Neuschwanstein ... und kleine Freuden am Wegesrand - schöne Alpenblumen - begleiten unseren Bergpfad.

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Säuling, Alpsee, Neuschwanstein, Blumen am Gratweg

Voralpenland bei Füssen - Gratweg - Bleckenau
Schloß Neuschwanstein wird mit jedem Schritt kleiner und kleiner unter uns und scheint fast ein Miniaturbild, das sich krönend in die Landschaft einfügt. König Ludwig II. von Bayern wußte sehr wohl, warum er sein Märchenschloß hier in der herrlichen Berglandschaft des Füssener Landes errichten ließ. Schau' mal: Über dem Alpsee nutzt ein Gleitschirmflieger die Thermik des schönen Frühsommertages.
Unser Bergpfad biegt jetzt um den Grat, ein wunderbarer Platz zum Brotzeitmachen! Der Blick geht hinab in's Tal der Pöllat, wo das ehemalige königliche Jagdhaus Bleckenau steht, von Hohenschwangau aus in schöner Wanderung zu erreichen, ganz Bequeme nehmen den Bleckenau-Bus.
Wir jedoch wollen weiter bergauf.

Auf dem Gratweg zum Tegelberg
Von hier zieht der Weg nun hinüber zur Nordseite des Tegelberges. Dort queren wir die Trasse der Tegelbergbahn, die bei Überwindung eines Höhenunterschiedes von 900 Metern mit nur einer einzigen Stütze auskommt. Im Hintergrund ist ein Teil des Forggensees zu erkennen, Bayerns fünftgrößter See und ein Paradies für Wassersportler. Noch eine letzte, kurze Steilstufe - und wir sind am "Grüble", darüber erhebt sich der Branderschrofen (1.880 m), der Gipfel des Tegelberges. Ein schöner Blick auf Füssen, die Stadt an den Bergen, tut sich auf. Über der Seenlandschaft tummeln sich Gleitschirmflieger, die am Tegelberg optimale Bedingungen vorfinden. Nur noch wenige Schritte bergauf und wir wären an der Bergstation der Tegelbergbahn mit der Möglichkeit einer bequemen Abfahrt per Gondelbahn.
Wir aber genießen an diesem schönen Frühlingstag das Laufen. Und schließlich erwartet uns beim Abstieg schon ein kühler "Russe" (Mischgetränk aus Weizenbier und Zitronensprudel, löscht auch den größten Bergsteiger-Durst) auf der Sonnenterrasse der Rohrkopfhütte!

Tegelbergbahn, Tegelberg, Schau ins Füssener Voralpenland

Rohrkopfhütte - Schutzengelsteig

Nach ausgiebiger Rast wandern wir über den "Schutzengelsteig" talwärts, stets im Angesicht von Schloß Neuschwanstein vor der Kulisse der Allgäuer Alpen, die sich im Mittagsdunst in Wolken einhüllen. Eine wohltuende und gesunde Erfrischung bietet uns das Kneipp-Becken an der Talstation der Tegelbergbahn, das zischt!

Warum diesem Vordenker, Träumer und König wider Willen noch heute eine so große Verehrung dargebracht wird, erklärt sich womöglich in seinen eigenen Versen:
In Anderer Glück sein eigenes finden
Ist dieses Lebens Seeligkeit:
Und anderer Menschen Wohlfahrt gründen,
Schafft göttliche Zufriedenheit!


König Ludwig II. von Bayern

 
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